Trockenobst: Gesund oder Kalorienbombe?

Trockenfrüchte sind süß – aber sind sie genauso gut wie frisches Obst? Worauf Verbraucher achten sollten und für wen Trockenobst weniger geeignet ist

von Bettina Dobe, aktualisiert am 18.11.2015

Bunte Mischung: Getrocknetes Obst


Ob im Müsli oder als Zwischenmahlzeit, viele Menschen greifen gern zu getrockneten Früchten. Schließlich schmeckt Trockenobst besonders süß. Und es ist praktisch. Wanderer und Bergfexe schwören auf Trockenobst als gut zu transportierenden Snack, denn es kann nicht so leicht matschig werden oder schimmeln. Doch anders als bei frischem Obst muss man bei Trockenfrüchten einiges beachten.

Wie gesund ist Trockenobst?

Getrocknete Aprikosen, Äpfel und Co. sind allemal gesünder als Süßigkeiten. "Sie enthalten zwar nur zehn bis 30 Prozent der Feuchtigkeit des frischen Obsts, aber sehr viele Nährstoffe", erklärt Isabelle Keller von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE). "Deswegen schmecken Trockenfrüchte auch so intensiv und süß: Alles im Obst wird quasi konzentriert." Das Obst enthält auch nach dem Trocknen in heißer Luft, auch Dörren genannt, immer noch wertvolle Mineralien wie Kalium, Phosphor und Vitamine, dazu jede Menge sekundäre Pflanzenstoffe.

Allerdings enthalten die getrockneten Früchte weniger Vitamine als ihr frisches Pendant: "Vitamin C geht während des Trocknens zum Teil verloren. Es ist sehr licht- und hitzeempfindlich", sagt Keller. Seinen Vitamin-C-Haushalt sollte man aber ohnehin besser mit frischem Obst wie Zitrusfrüchten oder Beeren decken, rät die Expertin. Getrocknete Früchte enthalten auch weniger Folsäure.

Schwung für den Darm

Besonders gesund sind Trockenfrüchte für den Verdauungstrakt. "Das liegt am sehr hohen Ballaststoffgehalt", erklärt Keller. "Das getrocknete Obst hilft dabei, die Darmtätigkeit zu optimieren", sagt Keller. Aber Vorsicht: Zu viel sollte man davon auch nicht essen, sonst funktioniert die Darmregulierung nicht mehr. "Einige Trockenfrüchte können im Übermaß zu Blähungen führen oder abführend wirken", warnt Keller. Große Mengen an Trockenobst sollte man aber auch aus anderen Gründen nicht essen.

Vorsicht vor den Kalorien

Das Trocknen entzieht den Früchten zwar das Wasser, aber der Zuckergehalt schmilzt leider nicht mit. "Trockenfrüchte bestehen zu 50 bis 70 Prozent aus Fruchtzucker", sagt Keller. Diese Energiedichte ist ein Problem: Wie satt man wird, hängt hauptsächlich vom Volumen der Lebensmittel ab, also der Essensmenge. Eine frische Aprikose ist etwa drei Mal so groß wie eine getrocknete. Das heißt, dass das Stückchen Dörrobst im Magen viel weniger Platz einnimmt. Dadurch setzt das Sättigungsgefühl langsamer ein und das verführt dazu, mehr Trockenobst zu essen.

Umgerechnet heißt das: Zwei bis drei getrocknete Aprikosen füllen den Magen genauso wie eine frische. Schon nimmt man mindestens doppelt so viel Zucker zu sich und merkt es gar nicht. Es macht also einen großen Unterschied, ob man hundert Gramm getrocknete Aprikosen isst oder hundert Gramm der frischen Variante. "Trockenobst sollte man daher nur in kleinen Mengen essen", rät Keller. Fünf getrocknete Aprikosen, ungefähr eine Handvoll, das sei schon recht viel. Trotzdem darf von den fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag eine ruhig in getrockneter Form zu sich genommen werden.

Wer übrigens glaubt, er könne den Magen austricksen, der irrt. Zu den Trockenfrüchten einfach jede Menge Wasser trinken, um den Sättigungseffekt zu erzielen, funktioniert nicht. "Das Wasser rauscht direkt durch den Magen durch, es sättigt nicht", erklärt Keller. Im frischen Obst ist die Flüssigkeit dagegen in den Zellen gebunden und füllt so den Magen. Wer abnehmen will, sollte also lieber zu frischem Obst greifen.

Da Trockenobst aus einem Großteil Fruchtzucker besteht, rät die Ernährungsspezialistin außerdem dazu, sich nach dem Genuss die Zähne zu putzen. "Das Kariespotenzial ist bei Trockenobst groß."

Wer sie besser nicht essen sollte

Doch nicht jeder Mensch kann bei Trockenobst bedenkenlos zugreifen. Oft werden den süßen Stücken Schwefeldioxid oder andere Konservierungsmittel zugesetzt. "Der Schwefel dient dazu, die Farbe zu erhalten und das Obst länger haltbar zu machen", sagt Keller. Mikroorganismen können sich so nicht mehr im Fruchtfleisch vermehren.

Pseudoallergiker und etwa jeder zehnte Asthmatiker können auf den zugesetzten Schwefel mit Juckreiz, Nesselsucht und Fließschnupfen reagieren. Sulfite und Schwefeldioxid können ähnliche Reaktionen hervorrufen wie ein allergischer Anfall. Allerdings treten solche Reaktionen äußerst selten auf. Für Menschen mit Nierenproblemen sind Trockenfrüchte meistens ebenfalls ungeeignet: Sie enthalten sehr viel Kalium, was zum Beispiel für Dialyse-Patienten gefährlich sein kann. Auch Betroffene, die an Fruktosemalsabsorption oder Fruktoseintoleranz leiden, sollten Trockenobst aufgrund des hohen Fruchtzuckergehalts meiden.

Ansonsten gilt: Trockenobst ist eine gesunde Alternative zu Schokolade, Chips und Co. Es enthält kein Fett, dafür aber jede Menge Nährstoffe. Es ersetzt kein frisches Obst, aber ab und zu kann man es ohne Bedenken genießen.


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